Steves Reise 22.12.2001 - 05.01.2002: Mitsegeltörn durch die Grenadinen

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22.12.2001 Abflug Frankfurt Flughafen nach Paris Charles de Gaulle, von dort Transfer nach Paris Orly um dann nach Fort de France / Martinique zu starten. Tja, soweit der Plan. Leider haben wir unsere Rechnung ohne die Air France gemacht, die mit einer Stunde Verspätung von Frankfurt losgeflogen ist. In Paris CDG angekommen haben wir auch recht schnell den Bus nach Orly gefunden, mußten allerdings schon im Bus feststellen, daß das alles sehr sehr knapp wird. Leider zu knapp: um 18 Uhr wäre unser Flieger nach Fort de France gegangen, um 17:50 waren wir am Check In, der aber schon zu war - obwohl die Maschine erst über eine Stunde später losflog!!! Oh, ich vergaß uns vorzustellen: am Flughafen trafen wir, Katja und ich (Steve), eine Mitseglerin, Anke, so daß wir ab da ein Trio on the road waren.
Was solls, eine schöne Nacht in einem Pariser Flughafenhotel, gesponsert von der Air France, ist ja fast mit der Karibik vergleichbar...

Katja_Anke
23.12.2001 Nach einem opulenten Frühstück im Grand Mercure Paris Orly starteten wir dann zu unserem zweiten Versuch, nach Martinique zu kommen. Dieser war insofern von Erfolg gekrönt, daß wir es mit immerhin sechs Stunden Verspätung schafften, von Paris loszufliegen. also statt wie geplant mittags um 13 Uhr abens um 19 Uhr. Der Flug war schrecklich - zumindest wenn man 1 Meter 90 groß ist. Mir habe nach 8 Stunden Flug ganz schön die Knochen weh getan.
Im Flieger haben wir dann auch noch Monika getroffen. Ein weitere Mitseglerin.
In Fort de France kamen wir abens um zehn Uhr an (Zeitverschiebung in der Karibik sind minus fünf Stunden) und haben dort auch immerhin unser ganzes Gepäck bekommen! Nun noch ein Taxi in unseren Abfahrtshafen "Le Marin" und wir waren da. Svend, Jutta, Uwe, Anette und Gunter warteten schon auf uns.

Riss Feeling 24.12.2001 Da wir Weihnachten ja nicht im Charterhafen verbringen wollten, starteten wir gleich am nächsten Tag durch nach St.Lucia und dort in die berühmte Marigot Bay. Aber ich sollte vielleicht erstmal was zum Schiff erzählen. Es handelte sich um eine Feeling 486, eine ca. 15 Meter lange Segelyacht mit fünf Kabinen. Das Schiff war ganz akzeptabel, jedoch von der Aufteilung her im Vergleich mit den Schiffen, die ich bis jetzt gesegelt bin eher nicht so geeignet für volle Belegung. Wir waren immerhin neun Leute an Bord.
Da die Crewzusammenstellung jedoch - wie immer bei Svend - ok war, konnten wir trotzdem recht gut zusammen leben. Fahrtensegeln ist von der sozialen Komponente her eine interessante Sache. Einerseits lebt man auf engstem Raum schon einige Zeit zusammen, andererseits bietet einem auch schon mal eine halbe Stunde auf dem Vorschiff bei sternenklarem Himmel mehr angenehme Einsamkeit als man das ganze Jahr über in seiner quirligen Heimatstadt hat.
Marigot Bay auf St.Lucia ist die Bilderbuchkaribikbucht an sich. Eine schmale Bucht zum Einlaufen, hohe Palmen an weißen Stränden, fliegende Händler auf kleinen Motorbooten, die ihre Waren anbieten. Naja, und wie das halt immer so mit den Bilderbuchsachen ist, wollen da zu viele Leute hin. Wir haben noch ein Platz am Steg bekommen, was es uns wengistens ermöglichte duschen zu gehen um uns für den Weihnachtsabend hübsch zu machen. Zum Essen gab es ganz traditionell Gänseschlegel (aus Deutschland mitgebracht) und Rotkohl. Und das hätte auch alles ganz lecker werden können, wenn unser Herd mitgespielt hätte und auf eine einigermassen sinnvolle Temperatur gekommen wäre. So wurden die Gänsekeulen eher langsam getrocknet als gebraten und waren sehr bißfest. Wir habe sogar das Schiff mit Weihnachtslichtern beleuchtet und ein paar Girlanden aufgehängt. Aber mal ehrlich. So ne richtige Weihnachtsstimmung ist bei 35 Grad unter Palmen einfach nicht hinzubekommen.
Svend, der Skipper, hat für jeden von uns ein kleines Geschenk gehabt: für die Frauen einen Pareo aus der Südsee - durchaus praktisch für die nächsten Tage auf dem Schiff, für die Männer echte Hinano Baseballmützen. Hinano ist eine Brauerei auf Tahiti. Ich hab noch nie ein Bier von denen getrunken, aber wohl schon alles an Werbematerial gesehen, was es von denen gibt - dank Svend :-)

Marigot Bay
Wasserfall St.Lucia 25.12.2001 Wir segelten ein paar Meilen weiter nach "La Soufriere", um uns dort in eine weitere sehr schöne, aber dem Meer zu recht offene Bucht zu legen. In der Nähe des Strandes befindet sich ein schwefelhaltiger Wasserfall mit warmen Wasser, den wir besuchten. Der Weg dorthin führte teilweise durch den Regenwald und gab uns die Möglichkeit, ersten Kontakt zur dortigen Vegetation aufzunehmen - man glaubt ja gar nicht, was man an Früchten alles noch nicht kennt. Die Wasserfälle waren sehr schön, vor allem weil man es nicht gewohnt ist, daß Wasserfälle warm sind (die wenigen unter denen ich in Europa stand, waren meist schweinekalt). So haben wir dort auch einige Zeit verbracht und uns sehr wohl gefühlt. Vom Leben an Bord gibt es eigentlich meist wenig zu berichten, es ist gar nicht so abwechslungsreich, wie man es sich immer denkt, sondern bietet genug Freiräume und Ruhezeiten, um sich mit sich selbst zu beschäftigen - oder, wenn man das nicht will - Reiseberichte zu schreiben :-) Dadurch, daß so ein Schiff doch eher klein ist und meist am schaukeln, dauern die meisten Tätigkeiten etwas länger als im Alltag. Und uns allen machte die Hitze zu schaffen. Nicht nur, daß es heiß war, vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit ist ziemlich ermattend auf die Dauer.
An diesem Abend bereitete Svend sein schon fast legendäres Kaninchenstifado. Für das wir fünf Kilo Karnickel um die halbe Welt geschliffen haben (es durfte auch eine Nacht in einem Hotelkühlschrank in Orly verbringen), von dem wir auch am nächsten Abend noch essen konnten. Die Rezepte werde ich wohl demnächst auch mal alle hier in einer getrennten Seite unterbringen.
26.12.2001 Wallilabou auf St.Vincent. Ich erinner mich an gar nix, es gab Kaninchen. Der Skipper hat einklariert und alle paar Minuten kamen irgendwelche Boatpeople ans Schiff um uns was zu verticken. Vielleicht verdräng ich den Hafen deswegen :-)
27.12.2001 Die Reise führte uns weiter nach Bequia ("Beckwäh" gesprochen) in die Admirality Bay, / Port Elisabeth. Dieser Ort ist auch so richtig, wie man sich einen Ort in der Karibik vorstellt. Ein kleiner Marktstand mit Obst- und Gemüseverkäufern (die enorme Preise für ein wenig Gemüse verlangen, aber so ist das eben in der Karibik), ein paar kleine Bars, Lebensmittelgeschäfte, eine Bank (wir brauchen ja jetzt EC, East Carribian Dollar), eine Post und für die Leute mit Liebeskummer oder Sehnsucht ein paar Telefone. Die Handys gehen seit St.Lucia nicht mehr, die Grenadinen roamen nicht mit dem Rest der Welt. Was für ein komisches Gefühl, mal ohne Netz zu sein... ich kannte das gar nicht mehr.
Abends in Bequia gingen wir dann ins Frangipani noch einen Drink zu uns nehmen - oh, erwähnte ich schon, in der Karibik liegt man eher selten am Steg sondern ömeist an Moorings, die in der Bucht festgemacht sind. Eine Mooring ist eine Leine, die auf Grund festgemacht ist, und an der man sein Schiff festmacht. Also eigentlich wie ne Art festbetonierter Anker. Wenn man nun mit seinem Schiff in so ner Bucht ankommt wo Moorings sind, macht man sich an einer fest bzw. es kommen gleich irgendwelche Leute in Motorbooten, die einem beim Festmachen helfen, und zahlt eine Art Liegeplatzgebühr für die Nacht (irgendwo zwischen 40-75 EC, also 20-35 US$).
Bucht von Bequia
Mit dem Dinghi in die Disse Auf jeden Fall ist man dann, wenn man von Bord will mit dem Dinghi unterwegs, meist ein kleines Schlauchboot mit einem kleinen Außenbordmotor, bei dessen Benutzung man sich umgehend einen nassen Hintern holt.
Wir fuhren also mit dem Dinghi ins Frangipani und genehmigten uns dort den einen oder anderen Cocktail - Empfehlung in der Karibik, neben den ultraleckeren Kokosmilch-Cocktails: Yellow Bird - mit Orangensaft, ich glaub ein wenig Zitronensaft, Gallaino und Wodka...
Es soll Leute geben, die sagen, daß schon Seeleute auf der Rückfahrt von der Kneipe mit dem Dinghi verschollen sind. Ausschließen möchte ich das nun nicht mehr. Man sollte sich also gerade in vollen Buchten auch immer ein paar unverwechselbare Merkmale am Schiff merken, damit man es wiederfindet (unsers war der schwimmende Kleidertrockenständer).
Oh, ich wollte noch das Abendessen erwähnen: Schweinebraten mit Speckmantel in Rotwein und Rosinen. Das Originalrezept wird mit Trockenpflaumen zubereitet, aber die gab es hier nirgendwo und mit den Rosinen war es auch sehr lecker. Den Schweinebraten hab ich erst im Ofen (siehe oben) zwei Stunden heissluftgetrocknet. Dann hatte ich die Schnauze voll und hab ihm den Rest im Dampfdrucktopf gegeben. Irgendwie kann man an dem Ding nix falschmachen. Er war immer noch sehr sehr saftig...
28.12.2001-29.12.2001 Mustique, eine Art Palmendisney für Superreiche. Die Insel ist komplett als Unternehmen aufgebaut, d.h. sie gehört einer Firma, die sie komplett verwaltet. Sie bewässert die Insel, läßt die Strände reinigen und verkauft Grundstücke an Prominente wie Mick Jagger, Giorgio Armani und Tommy Hilfinger, die dann ihre kleinen Motoryachten in der Bucht liegen haben.
Aber eigentlich macht das ganze die Insel trotzdem sehr schön, sie strahlt so eine Art gediegenen Luxus aus. Der Strand ist einfach traumhaft, das Wasser warm und sauber. Der Hafenmeister war sehr nett und hat uns bei unseren kleineren und größeren Fragen geholfen.
In den wenigen Geschäften gab es ein durchaus reichhaltiges Champagnerangebot - zu entsprechenden Preisen, frisches Brot und Eis (für den Kühlschrank an Bord).
Abends ging es dann zum Sundowner in Basils Bar. Jeder, der Mustique kennt, wird diese traumhafte Bar kennen - es gibt anscheinend eh keine andere auf Mustique :-)
Auf Mustique gab es zwei Abende lang Lamm. Am ersten Abend superleckere und saftige Lammkeule, am zweiten Abend, die Reste als Ragout mit Ratatouille dazu.
Mustique
Basils Bar Vielleicht mal wieder Zeit für so nen kleinen Ausflug in das Seglerleben? An Bord einer Fahrtenyacht gibt es ein paar Faktoren, die für längere Fahrten versorgungsmäßig bestimmend sind: Strom, Wasser, Diesel. Ersteres ist mit letzterem gekoppelt, wenn man jeden Tag für ein zwei Stunden den Diesel laufen läßt, kann man in dieser Zeit zum einen den Kühlschrank anmachen, zum anderen werden die Batterien so nachgeladen, daß man wieder ein wenig Strom für die Beleuchtung und (ja, speziell für mich :-) für den Laptop hat. Der Dieselverbrauch ist da gar nicht so entscheidend, außer man will über den Atlantik. Das Geräusch der Motoren nervt dafür aber leider in dieser Stunde ziemlich... Wasser an Bord ist immer kostbar. Duschen ist in den Buchten eher eingeschränkt möglich, man ist immer wieder verblüfft, wie sauber man mit Meerwasser werden kann, zum Schluß das Salz bekommt man mit ganz wenigen Litern Süßwasser weg. Es ist ne sehr spassige Sache, komplett eingeseift einfach ins Meer zu springen...
Aber so ist das Leben an Bord einfach. Einfach :-)

30.12.2001 Die letzte ganze Nacht von 2001 verbrachten wir vor Anker im Horshoe Reef in den Tobago Cays. Das Riff hat logischerweise den Namen von seiner Form und die geschlossene Seite geht gen Westen, was uns von der Lage her wieder einen traumhaften Sonnenuntergang bescherte. Die Strecke von Mustique ins Horseshoe Reef war auch eher kurz, so daß wir recht früh dort waren und noch ein wenig dort schnorcheln und/oder den Nachmittag an Deck geniessen konnten. Eigentlich sowieso verwunderlich. Keiner von uns hat sich in diesem Urlaub einen Sonnenbrand geholt. Ich vermute mal, daß die Sonne hier so brutal runterscheint, daß sich keiner der Illusion hingibt, es würde auch ohne massives Einsalben gehn (selbst ich wurde dazu gebracht, trotz Kindheitseinsalbtrauma).
Beim Schnorcheln im Horseshoe Reef gab es schon ein paar Fische zu sehen, allerdings eine Artenvielfalt, wie ich sie vom Roten Meer her kenne, hab ich hier nicht sehen können. Vielleicht muß man dazu hier ein wenig tiefer gehen, mal sehen, ich werde in den nächsten Wochen hoffentlich auch zum Tauchen kommen.
Abends gab es dann mal eher ein einfaches Essen. Spaghetti mit Pesto. Jegliche Diskussionen darüber, ob man das Pesto nun mit Nudelwasser verdünnen sollte oder nicht, weise ich an dieser Stelle zurück, es schmeckte herrlich. Vor allem, weil Uwe auch noch ein wenig gehackte Pistazien zusammen mit gehacktem Knoblauch anbriet, was dem ganzen ein traumhaftes Aroma verlieh.
Tobago Cays
Unplugged 31.12.2001 Die Sylvesterfeier wollten wir bei Lambies auf Union Island / Clifton Harbour verbringen. Zu diesem Zwecke steuerten wir also Union Island an (was von dem Horseshoe Reef ein Katzensprung ist, allerdings durch ziemlich viele Untiefen durch) und bekamen sogar einen Liegeplatz am Pier von Lambies. Ahso, was Lambies ist? Anscheinend eine Institution auf Union Island: eine Kombination aus Restaurant, Wasser- Tankstelle, Supermarkt, Anlegesteg, Hotel...
Nun denn, wir haben noch einen schmalen Platz an Lambies Steg bekommen und festgemacht. Eine Stunde später durften wir dann Zeugen - und Teilnehmer eines mehr oder weniger großen Disasters werden: eine 25 Meter Luxusyacht names "Unplugged" versuchte an einer Pier neben uns anzulegen und hat erstmal den Anker völlig falsch gesetzt. Der Erfolg war, daß sich die "Unplugged" mal kurz gegen unser Schiff gedrückt hat und wir alle Hände voll zu tun hatten Fender an die richtigen Stellen zu halten. Daraufhin holte die "Unplugged" ihren Anker wieder ein, der als nächstes unsere Ankerkette mit hochzog. Von einem Schiff weiter rechts von uns wurde die Ankerwinsch herausgerissen, weil auch auf dieser Kette viel zu viel Zug war.
Nun denn, bei uns wurden ein paar Relingsstützen verbogen und ein Fuß einer Relingsstütze herausgerissen. Großes Abenteuer :-) Irgendwie kam die Unplugged dan doch wieder frei und fuhr in das aüßere Hafenbecken zum Ankern. Eine halbe Stunde später tauchte bei uns ein Mann an Bord auf, der sich als der einzige Polizeioffizier der Grenadinen vorstellte. Er bat uns, ihn mit unserem Dinghi zur Unplugged rauszufahren, da er dem Kapitän dort mitteilen wollte, daß dieser den Boatpeople, die versucht haben, die Unplugged wegzuschieben, kein Geld geben sollte. Nun gut, also hab ich den Mann mit dem Dinghi rübergefahren und war bei dem Gespräch mit dem Skipper der Unplugged dabei. So etwas mitzubekommen ist immer interessant...
Später kamm dann Alex, der Skipper der Unplugged bei uns aufs Schiff und hat den Schaden, den er verursacht hat, in Bar bezahlt. Kurz und schmerzlos ;-) Aber die Unplugged hat auch wirklich so ausgesehen, daß Geld auf diesem Schiff keine Rolle spielt. Ob und wieviel Geld die Boatpeople bekommen haben, hab ich leider nicht erfahren können.
Die Feier bei Lambies war soweit ganz ok, aber so richtig die Party mit auf den Tischen tanzen war das nu nicht, aber das kann auch an mir gelegen haben. 2001 war doch ein sehr aufregendes Jahr und da gab es schon ein paar melancholische Rückblicke in mir drin (und mal ehrlich, so richtig einfach ist das auch mental nicht, sich für ein paar Monate einfach aus der Weltgeschichte stehlen zu wollen).
Seis drum, das Essen war ok, vor allem der frisch gegrillte Hummer. Zum Thema Wein sach ich auch mal besser nichts, das sollte man wohl erst auf Martinique wieder sinnvoll angehen :-). Um Mitternacht waren wir dann bei "Jutta aus Berlin", einer - keiner weiß wie alten - Aussteigerin, die auf Union Island sich so ne Art Mini-Botanischer Garten mit Galerie ihrer eigenen Bilder, mit eigener kleiner Bar, mit Verkauf von selbstgemalten T-Shirts etc.pp. aufgemacht hat, nene, das war alles viel kleiner als das jetzt so klingt. Dort haben wir also mit Juttas Rumpunsch aufs neue Jahr angestossen. Und gingen ein wenig in uns.
Zurück an der Pier haben Katja und ich ins Wasser gespuckt, um im Geiste mit unseren Lieben in Deutschland verbunden zu sein, die das zur gleichen Zeit an der Ostsee gemacht haben. Wie, das ist lächerlich? Das ist so ne Art homöopathische Spuckebrüderschaft :-)
Die Nacht ging dann noch ein wenig weiter, es flossen noch ein paar Bierchen und ein paar Planters (Planters Punch, der Cocktail da unten). Aber trotzdem haben wir es alle wieder heil an Bord geschafft.
Anke und Svend gehn an Bord
Svends neue Arkadi 01.01.2002 Am ersten des neuen Jahres machten wir einen kleinen Schlag von Union Island nach Bequia, trotzdem kamen wir eher spät abends an, weil wir ziemlich spät gestartet sind, klar, man sollte ja wenigstens an Neujahr ausschlafen können. Nachts durch die Karibik zu fahren ist gar nicht so einfach. Es gibt sehr viele Untiefen, von denen sehr viele schlecht oder überhaupt nicht betonnt sind, und in den Häfen sind die Ansteuerlichter auch nicht gerade einfach zu finden - das von Bequia haben wir auf jeden Fall nicht gesehen. In der Bucht waren jedoch auch noch im Dunklen Boatpeople unterwegs, die uns zu einer Mooring führten - da wollten wir über den Preis nicht diskutieren...
Am nächsten Morgen haben wir in der Bucht dann noch Svends zukünftiges neues Schiff, die Arkadi gesehen. Eine GibSea 472. Da freu ich mich jetzt schon drauf, auf der mal mitzusegeln, sieht hübsch aus.
02.01.2002 Nachmittags um fünf sind wir dann zu einem Nachttörn gestartet, der uns bis nach Martinique bringen sollte. Über St.Vincent regnete es und wir wurden Zeuge eines traumhaften Naturschauspiels, einem sehr breiten Regenbogen, der von der untergehenden Sonne beleuchtet wurde.
Ein Nachttörn ist eine wunderschöne Sache, man fährt die ganze Nacht hindurch (klar, wenn es noch weiter ist, auch noch ein paar Nächte mehr :-) und ständig muß jemand aufpassen, daß das Schiff auch auf Kurs ist und steuern. In Wanne-Eickel heißt so was "Maloche auffe Schicht", bei den Seglern nennt man das Wache halten. Dadurch, daß wir 9 Leute an Bord waren, hatten wir einen nicht allzuanstrengenden Plan bei der Wachablösung. Wir bildeteten drei Wachen a drei Leute. Jede Wache mußte 2,5h Wache schieben.
Ein wenig anstrengender wurde die Nacht dann doch, weil wir einen guten Wind von ca. 4 Windstärken mit Böen bis zu 6 gegenan hatten, d.h. wir mußten hart am Wind fahren und kurz vor Martinique sogar zweimal kreuzen. Wem nicht übel war, der durfte sich am ganz leckeren Kartoffelsalat von Anke laben, ein wahrhafter Schmaus über die ganze Nacht.

Regenbogen über St.Vincent
Petite Anse d'Arlet 03.01.2002 Morgens gegen 9 Uhr kamen wir dann nach ca. 110 Seemeilen in der Petite Anse d'Arlet auf Martinique an und gingen dort vor Anker. Was für ein Anblick! Ein kleines Dorf am Strand mit einer Holzkirche im eher europäischen Stil, kurzum, wir fühlten uns wieder ein wenig wie zuhause in Europa (auch wenn es immer noch 35 Grad waren...)
Also mit dem Dinghi an die Pier und ein wenig französisches Baguette gekauft und erstmal ein feudales Frühstück. Oh, apropos kaufen: Die Euro-Umstellung in der Karibik mitzuerleben ist sehr nett, nicht, daß man nicht schon genug mit EC und Dollar und schrägen Preisen für schräge Waren zu kämpfen hat... Aber eigentlich ist das jetzt gerade für die weitere Reise eher angenehm, schränkt es doch die Anzahl der Währungen, die man gleichzeitig in der Tasche haben muß, gewaltig ein. Jetzt am Anfang ist es halt schon ein wenig kompliziert und man muß erstmal ein Gefühl für die neuen - im Allgemeinen für Deutschen - halb so großen Zahlen entwickeln, aber wenn das mal durch ist wird es in Europa schon um einiges angenehmer werden.
Da dies nun der vorletzte Tag an Bord war haben wir nochmal die vollen Freuden des Bordlebens genossen, Baden am Heck, Waschen Fönen und Legen am Heck, Kochen an Bord (Uwe hat so ne Art Chilli Con Carne zubereitet, sehr lecker!) und noch einen schönen langen Abend im Cockpit.
Tagsüber sind wir noch ein wenig in Petite Anse d'Arlet unterwegs gewesen und haben in ner Strandbar noch ein Bierchen zu uns genommen. Der Ort ist wirklich genau nach meinem Geschmack, klein, ein wenig verkommen, ein wenig verschlafen... ...wenn mir nichts besseres einfällt, werde ich mich hier vielleich ein paar Wochen einmieten.

Gunter Waschtag
Dinner in Le Marin 04.01.2002 Rückfahrt nach Le Marin. Wir haben erstmal schön ausgeschlafen in der Petit Anse d'Arlet und sind dann gemütlich unter Maschine nach Le Marin gefahren. Es waren zwar nur zwei Stunden, da wir aber sehr spät losfuhren, kamen wir trotzdem erst gegen Einbruch der Dunkelheit an. Je weiter man in Äquatornähe kommt, desto regelmäßiger werden ja die Tages und Nachtzeiten. Hier ist es von sechs bis sechs hell. Da muß man sich auch erst dran gewöhnen, denn die innere deutsche Uhr sagt einem ja, daß, wenn es warm ist, auch die Tage länger sind.
In Le Marin sind wir noch kurz tanken gefahren und haben dann an der Pier des Vercharterers festgemacht. Und das war dann auch schon wieder ein Zweiwochentörn. Jetzt ging es schon ans Aufräumen und Packen (ich hab immer noch viel zu viel Gepäck bei mir) und wir konnten auch endlich mal wieder unter richtig viel fließendem Wasser duschen (das letzte Mal war es im Lambies Hotel am 31.12. auf Zimmer 10 :-).
Abends haben wir einen Tisch im Marin Mouillage bestellt, wo es herrliche Spareribs gab. Leider bekamen wir erst gegen 21:30 einen Tisch und das dann auch nur mit ein wenig Durchsetzungsfähigkeit (wenn es ums Essen geht ist die französische Zurückhaltung beim Teufel...).
Auf diesem Törn waren wir nur zweimal auswärts essen, und das war eigentlich sehr schön, weil Kochen an Bord macht einfach mehr Spaß. Und darüber hinaus hat das unser Leben hier auch ein ganzes Stück billiger gemacht. Wir kamen pro Person mit ca. 210US$ Bordkasse aus - für 14 Tage!
In dieser Nacht saßen wir noch lange im Cockpit bei diversen Gläsern Wein und klönten.
Am nächsten Morgen haben wir dann gegen 10 Uhr das Schiff verlassen, ein richtiges Frühstück hat es nicht mehr gegeben, nur ein paar Stullen im Vorbeigehen, viel Platz zum Hinsetzen war nämlich nicht mehr, weil ja überall unsere Taschen rumstanden. Während Anette, Anke und Svend nach Deutschland zurückflogen, sind Katja, Jutta, Monika, Uwe, Gunter und ich noch nach Le Marin gefahren, wo wir für eine Woche bei Manfred im Domicil Tropical wohnten. Dazu jedoch mehr im näcsten Kapitel.
Abfahrt


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